Wolfgang Ludwig ist Organpate, weil er weiß, wie wichtig die positive Botschaft des Sports ist.

* geboren am 23. November 1959
* Nierentransplantation am 16./17.
April 1991

Gerade hat Wolfgang Ludwig sein Studium als Elektroingenieur abgeschlossen und ist voller Tatendrang ins Berufsleben eingestiegen. Sich schwach zu fühlen, ist dem kerngesunden Radfahrer, Volleyballer und Tischtennisspieler fremd. Mitten im Leben ist der damals 25-jährige jedoch auf einmal gezwungen, sich mit einer ernsthaften Erkrankung auseinanderzusetzen.

Das Treppensteigen ist plötzlich mühevoll, nach wenigen Stufen gerät er völlig außer Atem. "Ich habe die ersten Anzeichen auf den Stress durch den Einstieg ins Berufsleben geschoben", erinnert sich der passionierte Hobbysportler. Von einer vorübergehenden Schwäche kann jedoch nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Sein Zustand verschlechtert sich rapide.

Die lange Zeit der Dialyse

Die Mediziner diagnostizieren Glomerulonephritis, eine tückische Erkrankung, die zu einem Nierenversagen führt. Der junge Elektroingenieur wird wiederholt über mehrere Stunden notdialysiert. Die Nieren schrumpfen physikalisch auf ein Minimum. Wolfgang Ludwig ist auf die Dialyse angewiesen und sein Name erscheint auf der Transplantationsliste.

Wolfgang Ludwig, fotografiert vor grüner Vegetation. Normalerweise beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Spenderniere Mitte der 1980er Jahre 24 Monate. Doch bei Wolfgang Ludwig dauert diese Phase erheblich länger. Für Organempfänger ist seine Blutgruppe 0 denkbar ungünstig. Schließlich wartet er fünfeinhalb Jahre auf eine Spenderniere. Bis dahin steht dem jungen Mann eine wechselvolle Zeit bevor. Die Dialyse ermöglicht ihm zunächst, weitgehend beschwerdefrei zu leben und sogar wieder Sport zu treiben. Später jedoch stellen sich Sekundärkrankheiten ein. Wie viele Dialysepatienten leidet Wolfgang Ludwig unter Hyperparathyreoidismus, einer Überfunktion der Nebenschilddrüse. In der Folge verlieren die Knochen Calcium. Ein offenes Bein schränkt die Mobilität erheblich ein und verschlechtert den allgemeinen Zustand.

Doch auch in dieser kritischen Zeit bleibt sich Wolfgang Ludwig treu. Er geht weiter arbeiten und lässt sich nicht hängen. Die Ärzte entnehmen die Nebenschilddrüse. "Danach ging es mir relativ gut und ich wurde wieder mobiler", blickt er zurück. Für einen Kämpfertypen wie ihn ist es selbstverständlich, schon bald nach der Operation wieder Sport zu treiben. "Die Sekundärerkrankungen haben mich zwar eingeschränkt, aber mir ging es nicht durchgängig schlecht."

Die erlösende Transplantation

Wolfgang Ludwig spielt Gitarre und lächelt dabei. Eine nachhaltige Verbesserung stellt sich jedoch erst mit der Transplantation im April 1991 ein. Der Eingriff verläuft ohne Komplikationen. Dreieinhalb Wochen später wird der Patient mit einer neuen Niere entlassen. "Ich bin zur ersten Nachuntersuchung mit dem Fahrrad gefahren," erinnert sich Wolfgang Ludwig noch an den überraschten Gesichtsausdruck der Ärzte. Die Nebenwirkungen bleiben überschaubar und die Abstände zwischen den Kontrollbesuchen werden länger. "Als Transplantierter gilt man vom medizinischen Standpunkt nie wirklich als gesund, aber ich fühle mich gesund", umschreibt er seine gute Verfassung. Daran hat sich in den 19 Jahren, die seit der Transplantation vergangen sind, nichts verändert.

Ehrenamtliches Engagement

Noch vor der Transplantation heiratet Wolfgang Ludwig seine langjährige Freundin Ulrike. Tochter Maike und Sohn Jan werden 1998 und 2001 geboren. Zu viert lebt die Familie im Eigenheim am Rande von Münster. Im Gartenhaus hat Wolfgang Ludwig sein Refugium – zwei Zimmer nur für sich. Hierhin zieht er sich zuweilen zurück, um Gitarre zu spielen oder vom Schreibtisch aus die Geschicke des Vereins TransDia zu koordinieren. Für dieses Glück ist der zweifache Vater dankbar. "Nach weiteren 19 Jahren Dialyse säße ich hier nicht so entspannt. Ohne ein Spenderorgan wäre mein Leben mit Sicherheit anders verlaufen."

Von seiner positiven Lebenseinstellung und seinem Glück sollen auch andere profitieren. Seit 2006 ist er Vorsitzender von TransDia. Für Wolfgang Ludwig ist diese Aufgabe eine Berufung. Zu beweisen, welche Bedeutung der Sport für Transplantierte besitzt, lautet die zentrale Botschaft des Vereins. Jedes Jahr organisiert TransDia die Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten in einer anderen Stadt. Die Teilnehmer messen sich in verschiedenen Disziplinen. Im Vordergrund stehen Ausdauer- und Rückschlagsportarten wie Schwimmen, Leichtathletik, Tennis oder Squash.

Radtour pro Organspende, Kindercamp ...

Damit sind die Aktivitäten Wolfgang Ludwig vor einem Computer. Wolfgang Ludwigs längst nicht erschöpft. Seit 2007 veranstaltet er die Radtour-pro-Organspende. Die Tour, an der die Betroffenen selbst teilnehmen, wirbt für die Organspende und klärt auf. Leber-, Herz-, Lungen- und Nierentransplantierte Menschen beweisen, dass durch eine Transplantation wieder eine vergleichsweise hohe Lebensqualität erreicht werden kann. Zu den Teilnehmern zählen auch Dialysepatienten, die dokumentieren, wie wichtig es ist, sich für eine bevorstehende Transplantation fit zu halten.

Seit 2009 veranstaltet er zusätzlich das "Kids Camp" für transplantierte Kinder. An dieser Ferienfreizeit nehmen Kinder zwischen neun und 15 Jahren teil. Es geht dabei sowohl um das gemeinsame Erleben und die verschiedenen Freizeitaktivitäten als auch um praktische Hilfestellungen. "Es ist erschreckend, dass sehr viele Kinder ihr transplantiertes Organ während der Pubertät verlieren. Daher dürfen neben Spiel und Spaß auch Informationen zur gesunden Ernährung und regelmäßigen Medikamenteneinnahme nicht fehlen", sagt Wolfgang Ludwig.

Egal ob Deutsche Meisterschaften, Radtour-pro-Organspende oder Kindercamp immer ist Wolfgang Ludwig entscheidend beteiligt. Stillstand ist für ihn ein Fremdwort. Natürlich hat er weitere Ideen und einen sehnlichen Wunsch: 2015 sollen sich endlich Transplantierte aus der ganzen Welt in Deutschland treffen. Mit TransDia bewirbt sich Wolfgang Ludwig um die Weltspiele. "Ich erinnere mich noch an meine erste Teilnahme 1997 in Sydney. Die Atmosphäre war überwältigend. Wir waren inzwischen so oft als Gäste dabei. Nun ist es an der Zeit, dass diese Veranstaltung auch in Deutschland stattfindet."

(von der Seite der BzGA)

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