Lasst uns von km zu km eilen, wir wollen dem Organmangel eine Abfuhr erteilen.

5 Dauerfahrer und viele Mitstreiter, die mehrere Etappen oder auch Tageweise mitfuhren, wollten endlich losradeln. Ich hatte das Glück die Tour (Red. 2007) ganz mitfahren zu können. Für mich begann eigentlich alles im September 2000 mit der Diagnose, terminale Niereninsuffizienz bei mesangioproliferativer Glomerulonephritis.
Damit musste ich erst einmal klarkommen. Im März 2002 ging es dann schon mit der Dialyse los und ich wusste nicht, wie es weiter geht. Da Sport und Bewegung immer zu meinem Leben gehörten hatte ich große Angst, dass es damit nun vorbei sein könnte. Während der 4 1/2 Jahre Dialyse kam es natürlich im täglichen Leben wie auch im Sport zu Einschränkungen, es fehlte an Kraft und an Zeit, aber mit der richtigen Einteilung ging es doch. Durch Zufall hörte ich von TransDia und wurde Mitglied. Im Mai 2006 nahm ich an der DM in Seeheim/Jugenheim als Dialysepatient teil.
Am 05.11.2006 wurde mir in Essen eine Spenderniere transplantiert, alles funktionierte von Anfang an gut, schnell erholte ich mich. Ein tolles Erlebnis! Ein mir unbekannter Spender hatte großzügig dafür gesorgt, dass ich heute wieder fast wie ein gesunder Mensch leben kann. Ich werde ihm immer dankbar sein. Leistungsfähigkeit und Lebensqualität kehrten zurück. Heute lebe ich bewusster und denke daran, dass nicht jeder Kranke, der ein Organ braucht, so viel Glück hat. Es gibt einfach zu wenig Spenderorgane.
Die „Radtour-pro-Organspende“ war eine gute Gelegenheit mich sportlich zu testen und an unserer Mission teilzunehmen. Um es frei nach Heinz Erhardt zu sagen:

Lasst uns von km zu km eilen,

wir wollen dem Organmangel eine Abfuhr erteilen.


Am 21.07.2007 ging es mit dem Startschuss an der Uniklinik Münster endlich los. Hier wurde zunächst der Prolog gefahren, am Abend besuchten wir das Konzert der Dandys.– Das ging schon gut ab. Was dann in den nächsten 15 Tagen passierte, hat alle meine Erwartungen übertroffen. Wie wir auf der Strecke an Transplantationszentren, Krankenhäusern, Dialysestationen und Rathäusern empfangen wurden war schon toll, jeder der Beteiligten gab sein Bestes. Die Medien brachten unsere Mission ebenso positiv in die Öffentlichkeit, wie wir in vielen Gesprächen am Rande der Strecke. Durch diese Erlebnisse und 2 herrliche Ruhetage,  mit Wellness und Kulturprogramm, sowie die feucht fröhlichen Abende wurden wir schnell zu einer guten Gemeinschaft. Leider konnten unsere Dialysepatienten an den Abenden nicht  immer dabei sein. Erleichtert, dass es bis auf einen Armbruch nicht zu größeren Unfällen und Pannen kam, waren wir dann für mich viel zu schnell in Würzburg.  Mit einer schönen Abschlussveranstaltung und einem gemeinschaftlichem Abendessen klang unsere Radtour aus. Sie hat der Sache bestimmt viel gebracht und mir sowieso.
Danken möchte ich den Organisatoren, den Fahrern unseres Tourbusses, allen Beteiligten entlang Strecke sowie allen Mitfahrern für 2 unvergessliche Wochen.  Für die Zukunft wünsche ich uns allen viel Glück und Gesundheit und noch viele gemeinsame Aktionen wie diese.
Nun sind wir fast 5000 „Missionskilometer“ geradelt—aber das reicht noch nicht. Lasst uns weiterradeln.

Anmerkung: Bernd Kassing ist der einzige Radler, der seit 2007 wirklich jeden km geradelt ist. Allein das ist schon bewundernswert.

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