Ausruhen können wir uns zu Hause...

katjaMüde – aber doch mit einem Lächeln auf dem Gesicht steigt Katja am in Hannover vom Fahrrad. In den letzten 9 Tagen ist sie über 950km im Rahmen der „Radtour pro Organspende“ von Berlin nach Hannover geradelt. Vor drei Jahren wäre das nicht möglich gewesen, denn da war die heute 36-jährige sehr krank und wartete dringend auf ein Spenderorgan. An sportliche Betätigung in der Form war da überhaupt nicht zu denken.
1992 merkt Katja, dass mit ihrer Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist. Sie fühlt sich schwach und ausgelaugt. Ein Jahr später wird PSC, eine Autoimmuner-krankung der Leber, diagnostiziert. Ca. 4000 Menschen in Deutschland sind von dieser Krankheit betroffen. PSC ist ein unheilbare Krankheit. Katja ist 19, die Ausbildung in ei-nem medizinischen Beruf hat sie gerade abgeschlossen. Die Perspektive eine Spenderle-ber zu benötigen ist für sie ein Schock und anfangs ist sie auch noch nicht bereit, sich der Transplantation zu stellen. Mit Organspende hat sich Katja schon früh beschäftigt: Schon mit 16 Jahren füllt sie einen Organspendeausweis aus, zu diesem Zeitpunkt ahnt sie allerdings nicht, dass sie selber mal ein Organ benötigen wird.
„Warum ich?“ fragt sich Katja. „Warum Sie nicht“ entgegnet der Arzt. Katja stellt sich der neuen Situation. Die nächsten 14 Jahre bestimmt die Krankheit ihr Leben. Ihre ver-traute Umgebung in der Lüneburger Heide verlässt sie und zieht nach München.
„Ich wollte nicht hier geboren sein und hier sterben ohne etwas Anderes gesehen zu haben“ sagt sie dazu. Die Zeit in München ist geprägt von vielen Krankenhausaufenthal-ten und einer ständigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Ihr Leben besteht phasenweise nur aus Arbeiten und Ausruhen, eigentlich ist es ein fortwährender Kampf sich täglich dem Leben zu stellen.
Musik ist Katja’s große Leidenschaft. Sie singt gerne und spielt Gitarre. Das gibt ihr die Kraft, diese Zeit zu überstehen und weckt immer wieder neuen Lebensmut in ihr - ist aber auch Ablenkung, um die Krankheit – wenigstens zeitweise - zu vergessen.
Die Krankheit schreitet voran, die guten Phasen werden kürzer, die Krankenhausaufent-halte häufiger. Katja entschließt sich wieder in ihren Heimatort zurückzukehren. Der Juckreiz – eine Folge ihrer Erkrankung – macht sich jetzt immer stärker bemerkbar und ist auch mit vielen Medikamenten kaum zu lindern. Teilweise treibt der Juckreiz sie in den Wahnsinn und ihre Bereitschaft sich einer Transplantation zu stellen wächst in dieser Zeit. Anfang 2005, Katja’s Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert, lässt sie sich auf die Liste zur Transplantation setzen. Im Januar 2006 wird sie eine Dringlichkeitsstufe höher gesetzt und sehnt die Transplantation herbei.
„Ich war in einem so schlechten Zustand, ich war für die Transplantation bereit“ sagt Katja heute.
Im März 2006 kommt der Anruf: „Wir haben ein Organ für Sie.“ Neben der Hoffnung auf einen bessere Zukunft mischen sich natürlich Ängste und Sorgen über die bevorstehende Operation. Es wird ein Erfolg. Der Juckreiz schwindet, Lebensmut und Lebensenergie kehren zurück. Bald schon kann sie Dinge tun, die jahrelang nicht mehr möglich waren: Schwimmen, Laufen, Handball spielen und Radfahren. Katja genießt es wieder leistungsfähig zu sein - ohne Schmerzen. Ihrem Spender ist Katja dankbar, dankbar dass sie wie-der ein gutes Leben führen kann.
Auch ihrem großen Hobby der Musik und Ihren Liedern kann sie sich jetzt mit voller Kraft wieder widmen.
Im Internet findet sie Informationen zur Radtour „pro Organspende“, sportliche Betäti-gung und Engagement für das Thema Organspende findet sie gut und beschließt dort teilzunehmen.
„Das wir in 9 Tagen fast 1000 km fahren war mir zwar bewusst, aber eigentlich wußte ich nicht, was das bedeutet. Es war anstrengend, es war einfach nur anstrengend, aber ich habe es nicht bereut.“ erzählt Katja und man sieht ihr an, wie stolz sie ist. In den ersten Tagen musste Katja manchesmal kämpfen um mithalten zu können, aber kämpfen hat sie gelernt in den 14 Jahren bis zur Transplantation.

Die Radtour setzt aber noch andere Kräfte frei. Zusammen mit Wolfgang Ludwig entwickelt sie Idee und Konzept eines Angebotes für Kinder. 2009 gibt es das erste Transplant-Kids Camp, Idee und Konzept werden weiterentwickelt und das ganze mündet im Transplant-Kids e.V., einem Verein, der sich auf Angebote für organtransplantierte Kinder spezialisiert hat.

Kämpfen musste Sie auch weiter: Im November 2010 wird bei ihr Krebs diagnostiziert. Und wieder Therapien, wieder Schmerzen, wieder kämpfen. Aber auch diesmal bleibt sie Sieger, auch wenn es wieder sehr viel Kraft und Lebensmut gekostet hat. Aber es geht weiter. Ob’s für die komplette Radtour dieses Jahr reicht weiß Katja noch nicht – aber dabeisein ist alles.

 


Nachtrag:
Katja hat ihre Geschichte auch in einem Buch niedergeschrieben. „Wann kommt die Sonne“ ist im August 2009 erschienen und im Buchhandel (odeer Amazon) erhältlich:
Erscheinungstermin: August 2009
Umfang: 104 Seiten
Format: 14 x 22 cm
Ausstattung: Paperback

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