Spitzensport auch mit fremden Organen

Wolfgang Ludwig

so überschrieb eine Lokalzeitung aus Münster ihren Artikel (Artikel 1, Artikel 2) über die Teilnahme von transplantierten und dialysepflichtigen Sportlern an Münsters größtem Lauf-Event. Gemeint waren 3 Teams von TransDia e.V., die am Münster-Marathon im Staffelwettbewerb teilgenommen hatten. „Gegner“ waren 4 Staffeln des Transplantationszentrums Münster und Prof. H. Schmidt, der Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Münster, der als einziger die komplette Distanz gelaufen ist. Das Team TransDia III (Nehar N., Andreas W., Sonja W., Simone B.) konnte das Rennen in 3:47h für sich entscheiden. Der eigentliche Gewinner war aber das Thema Organspende. Selten haben die Zeitungen über Transplantation und Organspende in so einem positiven Kontext berichtet. Auch nach der Veranstaltung haben mich viele Anfragen erreicht. Das Fazit dieser Veranstaltung: „Wir“ (die Betroffenen) müssen zu den Leuten hin und ihnen zeigen, welch ein Zuwachs an Lebensqualität und Leistungsfähigkeit nach Organspende möglich ist, kurz: Wir müssen der Bevölkerung den Nutzen der Organspende nahe bringen.
Abends nach dem Marathon haben einige Läufer noch zusammengesessen und da habe ich die Idee der Radtopur-pro-Organspende zum ersten Mal „veröffentlicht“. Kathrin und Claudialampa konnten sich gleich dafür begeistern. Die erste Strecke stand auch bald fest. Es geht von Münster nach Würzburg. Münster bot sich als engagiertes TX-Zentrum an, in Würzburg planten wir die 5. Europäischen Spiele der Organtransplantierten und Dialysepatienten – ein guter Zielort. Termin der ersten Radtour-pro-Organspende: Juli/August 2007, Dauer 14 Tage. Um größere Strecken bewältigen zu können war für das Gepäck ein Begleitwagen vorgesehen. Gefahren - von Anfang an - hat den Jürgen. Im ersten Jahr hat er uns noch die Koffer auf das Zimmer getragen, bei steigender Zahl der Teilnehmer konnte er das nicht mehr leisten. Er hat das „mbW“ - (mbW = mobiles betreutes Wohnen) eingeführt und ist immer für eine kulinarische Überraschung gut. Zunächst mit einem kleinen Auto, ab der 2. Tour mit dem „Emsland-Express“, einem modifizierten, für unsere Bedürfnisse „umgebauten“ Kleintransporter. Und nun mit einem neuen "Emsland-Express". Ein Dank an die Firma Lampa für mehr als 10000 störungsfreie „Missions“-km. Auch das ist es, was das Original der Radtour-pro-Organspende ausmacht.

Protagonisten sollten in erster Linie Transplantierte und Dialysepatienten (in Vertretung der Wartepatienten) sein. Authentizität war und ist mir wichtig. Wichtig ist auch, dass wir zeigen, dass Transplantation in der Breite funktioniert. Also muss dies auch in der Radtour-pro-Organspende zum Ausdruck kommen. D.h. nicht immer die Gleichen in der ersten Reihe auf den Fotos oder in der Presse. Das war der Ursprung. Alles, was man sonst zu dem Thema hört, ist Legende oder Verklärung – jedenfalls ist die Radtour-pro-Organspende keine Kopie von irgendetwas - und es gibt nur ein Original, mit den Organisatoren Wolfgang und Jürgen und den Protagonisten. Das diese Idee lokale Nachahmer findet, spricht einmal mehr für die ursprünglichen Initiatoren Wolfgang u. Jürgen, die bis heute der Motor dieser Tour sind.

 

Radtour-pro-Organspende

Der "Radtour-pro-Organspende" lagen zwei Überlegungen zugrunde:

  • Wie bekommen wir das Thema Organspende mit positiven Aspekten unter die Bevölkerung.
  • Wie können wir nicht nur lokal sondern regional Aufmerksamkeit für das Thema Organspende bekommen,
  • Was können wir tun um zu zeigen dass Organspende in der Breite funktioniert.

Sport ist ein Medium um positive Botschaften zu transporteiren. Organspende und Transplantation benötigen positive Botschaften. Zur Zeit mehr denn je zuvor. Die Öffentlichkeit, aber auch alle Akteure im Gesundheitswesen, möchten wir für das Thema Organspende sensibilisieren. Wir wollen diea aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern dadurch, dass wir als Betroffene zeigen, wir gut wir nach einer Transplantation leben können. Der Öffentlichkeit wollen wir klarmachen, dass die Transplantationsmedizin eine Erfolgsgeschichte ist. Wir besuchen Transplantationszentren, Krankenhäuser, die sich hinsichtlich der Organspende engagieren, und andere Institutionen, die sich mit diesem Thema befassen um ihnen den Erfolg ihrer Arbeit „live“ zu demonstrieren.

 

„Coole Idee, prima umgesetzt, super Typen vor Ort.

So sieht man als ‚Arzt an der Front‘, warum das Engagement Sinn macht.

So bekommt man Motivation, weiter für diese gute Sache einzutreten."

(Ärzte aus Duisburg, 2007)

 
Dialysezeit ist Lebenszeit
Unsere mitradelnden Dialysepatienten wollen trotz zahlreicher Einschränkungen zeigen: Dialysezeit ist Lebenszeit. Trotz vieler Erschwernisse ist es Ihnen möglich, sich mit Bewegung und Sport fit zu halten und diejenigen, die auf eine Transplantation warten, setzen alles daran die lange Wartezeit in einem möglichst guten Zustand zu überbrücken.
 
Entscheiden Sie sich!
6 Jahre und fast 6000km sind wir im Rahmen der „Radtour-pro-Organspende“ durch verschiedene Regionen Deutschlands und dreier angrenzenden Nachbarländer bis jetzt unterwegs gewesen. Geblieben sind intensive Tage des „Erfahrens“, schöne Erinnerungen und viele engagierte Menschen entlang unserer Route. Die Menschen, denen wir begegnen möchten wir mit diesem Projekt anregen, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen und eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen. Hauptsache sie beschäftigen sich mit dem Thema und entscheiden sich.
 
„Mit dieser Aktion geben Sie der Transplantationsmedizin ein Gesicht“
 
hat mir ein Professor unterwegs gesagt. Das hat mich gefreut. Vielleicht ist das zum Teil das Problem: Nimmt die Öffentlichkeit den Nutzen der Transplantationsmedizin so wahr, wie wir -gesichterweb die Betroffenen - ihn empfinden? Wir haben die Beobachtung gemacht, dass Menschen völlig überrascht sind, wenn sie feststellen, dass wir ganz „normal“ leben. Und nachdem wir tagsüber viel Wasser und Apfelschorle getrunken haben, trinken wir abends auch einmal ein Bier oder einen Wein – oder essen auch schon mal zwei Portionen Nudeln (das muss schon mal sein, wenn man den ganzen Tag auf dem Fahrrad sitzt).

Gesicht(er)“ haben wir auch dort gezeigt, wo wir ansonsten nicht auftauchen: In Krankenhäusern, die sich in Sachen Organspende engagieren. Die Ärzte und Mitarbeiter dort haben die belastende Aufgabe, in einer emotionalen Ausnahmesituation die Gespräche zur Organspende mit den Angehörigen zu führen. Das wollen wir auch würdigen und präsentieren uns „live“ als Erfolg ihrer Arbeit.

Wir haben aber auch Ärzte kennen gelernt, die es bedrückt, nicht helfen zu können. Denn die Menschen, die auf ein Organ warten, sind zwar meistens schwer krank, ihnen könnte geholfen werden, aber sie versterben an „akutem Organmangel“.

Versprochen: Wir radeln wieder! Nächstes Jahr. Einige Dinge werden wir ändern, anderes verbessern, aber eines soll so bleiben wie in den vergangenen Jahren: Viel Spaß, sich für unsere Sache einzusetzen. Es ist immer schwer, es allen recht zu machen und die (steigende) Erwartungshaltung aller zu erfüllen. Das werden wir auch in den nächsten Jahren nicht hinbekommen.

Danke auch an die Journalisten, die sich wirklich große Mühe gegeben haben, das Thema ordentlich aufzubereiten und unserer „Mission“ Öffentlichkeit verschafft haben.

„Ihre Pressemappen, die Informationen im Vorfeld, das Infomaterial und die Fotos haben mir die Arbeit sehr erleichtert. Damit bekommt ihre Aktion in der Presse einen hohen Wiedererkennungswert. Respekt.“

hat mir ein Journalist 2011 gemailt. Leider genießen viele während der Radtour-pro-Organspende den „Presserummel“ und stehen gerne in der ersten Reihe auf dem Foto - aber kaum einer weiß wie viel Arbeit dahinter steckt: Schreibtischarbeit—nicht radeln.

Ohne die „Aktivisten“ vor Ort an den TX-Zentren, Krankenhäusern und den anderen Stationen hätten wir viele Erlebnisse (und Mahlzeiten) nicht gehabt. Sie haben sich mit vielen Ideen und Engagement eingebracht. Danke.

Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Mitstreitern, vor allem bei dem „harten Kern“. Sie haben Urlaub, Geld und viel gute Laune für die Radtouren investiert. Dafür haben Sie auch etwas zurückbekommen: Spaß, Gemeinschaft und das Gefühl, etwas für diejenigen getan zu haben, die auf ein lebensrettendes Organ warten. Das sehen auch fast alle Teilnehmer so. Auch wenn wir mittlerweile wissen, dass nicht nur unsere sondern auch andere Bemühungen zu keinerlei Verbesserung der Situation geführt haben. „Geben und Nehmen“ ist nicht nur das Motto der Organspende—es sollte auch in anderen Bereichen des Lebens gelten.

 

Nachtrag:

2013 haben wir das Projekt in einen eigenen Verein überführt, den Radtour-pro-Organpende e.V. um den Fokus ganz auf Öffentlichkeitsarbeit zu richten. Die Hauptakteure, Wolfgang Ludwig u. Jürgen Raidt, sind die gleichen geblieben. Und natürlich viele Radler der ersten Stunde. In Zukunft werden wir neben der jährlichen Radtour-pro-Organspende noch weitere Aktivitäten im Bereich Sport/Organspende/Transplantation organisieren. Vorwiegend werden wir an bestehenden Veranstaltungen teilnehmen und das Thema Organspende dort vertreten. 

 

 

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