Wir dopen!

oder: Warum wir „dopen“ dürfen, die Rennradfahrer aber nicht...

Wolfgang Ludwig (2007)

Das Rad ist geputzt. Das Werkzeug sortiert. Der Koffer gepackt (dafür haben wir ein Begleitfahrzeug!) – und: die Medikamente sind durchgezählt. Es kann losgehen. In Zeiten des Radfahrens kommt das Thema unweigerlich aufs Doping – das macht auch vor TransDia und der Radtour „pro Organspende“ nicht halt. Noch konnten wir das Thema aus der Presse heraushalten; die ersten investigativen Journalisten sind aber schon am Ball und es ist nur eine Frage der Zeit bis die nächste Bombe auf dem Gebiet der „leistungsfördernden Medikamente“ platzt. In vertraulichen Pressegesprächen versuchen wir den Medien klarzumachen: Es gibt Menschen, die aus gesundheitliche Gründen das in Radfahrerkreisen kurz EPO genannte Medikament Erythropoetin bekommen. Leider scheint die medizinisch indizierte Einnahme von EPO in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und zudem wenig Quote bringend. Wir haben kein Problem zu sagen: Einige von uns sind gedopt. Wir werden die FahrerInnen auch nicht aus dem Rennen nehmen, auch wenn die B, C und D-Probe positiv sein sollten. Und wir werden auch nicht aus der Berichterstattung über die Radtour „pro Organspende“ aussteigen. Ganz im Gegenteil: Wir werden jeden Tag berichten (wenn die Technik keinen Streich spielt) und versuchen die „Stimmung“ entlang der Strecke ins Internet zu transportieren.  Sollten „Dopingfälle“ außerhalb des EPO bekannt werden, werden wir dies rückhaltlos aufklären und hier zur Sprache bringen. Die Halbwertszeit der dopingfreien Phasen (siehe aktuelle Beispiele) liegt im Moment bei ca. 10 Tagen, also sozusagen im „magentafarbenen“ Bereich.

Erythropoetin ist als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen während der Blutbildung von Bedeutung. Seit 1985 ist die großtechnische Erzeugung von EPO möglich. Das war Vorraussetzung um es als Medikament einzusetzen. Menschen mit  Anämie erspart das die Einnahme von Blutkonserven, deren Einnahme auch immer mit einem Risiko verbunden war und auch noch ist. Die klassische EPO-Therapie zielt darauf ab, die Bildung roter Blutkörperchen bei Patienten mit renaler Anämie, Tumoranämie und Anämien als Folge von Chemotherapien in Gang zu setzen oder zu unterstützen. Für Dialysepatienten und manche Transplantierte geht es nicht darum in aberwitzigem Tempo über die Alpen zu rasen, sondern durch die Einnahme von EPO einen Zugewinn an Lebensqualität zu erhalten – oder in Verbindung mit Ausdauertraining an dieser Radtour teilnehmen zu können. Für die, die medizinisch indiziert EPO nehmen, ist es manchmal schwer mit anzuse-hen, wie der Ruf dieses für manche Patienten so wichtigen Medikamentes leidet. Das für viele Damit Lebensqualität verbunden ist, sollte au einmal gesagt werden.

 

Go to top