Vorwort zur Radtour-pro-Organspende 2008

Wolfgang Ludwig

Nachdem meine Idee der "Radtour-pro-Organspende“ im letzten Jahr ein voller Erfolg war, haben wir beschlossen dies zu wieder holen. Wir fahren nun von Berlin nach Hannover, aber nicht auf dem direkten Wege, sondern über Neuruppin, Klink, Rostock, Schwerin, Lübeck, Kiel, Hamburg und Fallingbostel. Statt 15 Tage sind wir dieses Jahr 9 Tage unterwegs, die Anzahl der Mitradler ist auf 38 gestiegen. Die Mission ist allerdings die Gleiche: Organspende und Transplantation mit positiven Eindrücken verbinden und das Thema aus der dunklen Ecke der Vorurteile herausholen. Wie im letzten Jahr sind unsere Stationen Transplantationszentren, Krankenhäuser, die sich hinsichtlich Organspende engagieren und andere Institutionen aus diesem Bereich.

Transplantierte aller Organe befinden sich unter unseren Teilnehmern - aber auch Dialysepatienten, die auf eine Transplantation warten und als Wartende natürlich ein besonders großes Interesse haben, sich für diese Thema einzusetzen.

Lotte, 18 Jahre, hat die allermeiste Zeit Ihres noch jungen Lebens mit Dialyse zugebracht und wartet nun wieder auf eine Transplantation. Sie steuert auf das Abitur zu, engagiert sich in der Kinder- und Jugendarbeit und hat auch noch Ihre Hobbys – neben der sehr zweitaufwendigen Dialysebehandlung. Da habe ich Hochachtung vor. Ich würde mich freuen, wenn Sie das nächste Mal als Transplantierte mit uns radelt . Aber wir haben auch Franz.  Franz ist nun seit 27 Jahren transplantiert und ist der „Volkswagen“ der Transplantierten. Die Niere respektive er läuft und läuft und läuft... Das sind 27 Jahre Gewinn an Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. So hat jeder Mitradler seine Geschichte. Alle zusammen wollen wir der Transplantationsmedizin ein Gesicht geben und zeigen, dass die Transplantationsmedizin eine Erfolgsgeschichte ist.

Mehr als 10 Jahre nach Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes haben wir keinen signifikanten Anstieg der Organspenden in Deutschland; das ist für die Patienten auf der Warteliste eine todtraurige Tatsache. Allzu oft hört man unter den Betroffenen den Ruf nach Änderung des Transplantationsgesetzes in Richtung Widerspruchslösung. Aber ist das wirklich eine Lösung? Organspende ist ein komplexes Thema. Ein Gesetz, das die Organspende regelt, muss Vertrauen bei der Bevölkerung schaffen und von denen, die es befolgen sollen – und das sind die Krankenhäuser - mit Leben erfüllt werden. Wir wissen, dass knapp 60% der deutschen Krankenhäuser bei der Gemeinschaftsaufgabe Organspende nicht mitarbeiten. Wieso sollte sich das mit einem neuen Gesetz ändern? Innerhalb von Deutschland sind die Organspendezahlen sehr unterschiedlich, d.h. es ist auch in dem jetzigen Gesetz noch Potential und das sollten wir zuerst ausschöpfen; z.B. durch Transplantationsbeauftragte, die es in jedem Krankenhaus geben sollte. Dies könnte man z.B. durch Ausführungsbestimmungen zum Transplantationsgesetz verbindlich regeln. Parallel dazu sollte die Politik nach einer Lösung suchen, wie man die Menschen dazu bringt sich mit diesem Thema zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen. Dies muss allerdings in einem für die Betroffenen überschaubaren Zeitrahmen geschehen. Den Blick auf ein neues Transplantationsgesetz sollte man aber nicht verlieren – wenn es keine signifikanten Änderungen, d.h. steigende Zahlen bei der Organspende gibt.

Für die zweite Tour hatten wir eine ungleich größere Anzahl an Anmeldungen. Die Logistik war eine wesentlich größere. Jürgen hatte ein großes Auto besorgt und sich die vollen 10 Tage Zeit genommen. Dies war der Start zum Emsland-Express. Sogar Tandems waren dabei. 10 Tage, fast immer zwichen 25 und 30 Grad warm, machten diese Tour zur "heißesten" in all den Jahren. Auch diese Tour wurde bei Novartis dokumentiert, lesen Sie bitte hier.

 

Berlin, Berlin - Wir starten in Berlin.

Demonstration von Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und Lebensfreude

Wolfgang Ludwig

Unsere "Radtour-pro-Organspende“ im Jahr 2007 war ein voller Erfolg. Daher habe ich beschlossen, dies zu wiederholen. Vom 29. Mai bis 7. Juni 2008 ging es von Berlin nach Hannover, aber nicht auf direktem Wege. Statt 15 Tage waren wir dieses Jahr neun Tage unterwegs, die Anzahl der Mitradler ist auf 38 gestiegen. Die Mission ist allerdings die Gleiche: Organspende und Transplantation mit positiven Eindrücken zu verbinden und das Thema aus der dunklen Ecke der Vorurteile herauszuholen. Unsere Stationen: Transplantationszentren, Krankenhäuser und andere Institutionen, die sich hinsichtlich Organspende engagieren.Transplantierte aller Organe befanden sich unter den Teilnehmern – aber auch Dialysepatienten, die auf eine Transplantationwarten.Mit dabei Jürgen und der Emsland-Express, ein gesponsorter Klein-Lkw, ausgerüstet mit einem Regal für die vielen Koffer. Dieser Einsatz ist nicht selbstverständlich.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Prolog: Kleinmachnow-Berlin

In Berlin angekommen, treffen wir schon die ersten Teilnehmer; Lotte aus Berlin und Carlo aus der Schweiz sind bereits da. Wir montieren die Fahrräder zusammen – komplett paßten sie nicht ins Auto. Nach und nach treffen immer mehr Radler ein. Unsere „lokalen Scouts“, Hans und Helle, haben sich einen schönen Weg durch Berlin ausgedacht: 32 lockere Kilometer vom Stadtrand in die City. Es geht am Wannsee vorbei durch die Randbezirke von Berlin. An der dichter werdenden Bebauung merken wir, daß die Innenstadt naht. In der „kleinen Stadt Virchow“ begrüßt uns Herr Kollhorst von der Technikerkrankenkasse (TKK). Dann geht es über die Mittelallee zum Forum. Frau Professor Dr. Reinke und Herr Mehlitz empfangen uns. Wir radeln noch einige hundert Meter zum Herzzentrum; die Räder werden in einen LKW gesperrt, dem Nachtlager - wir bekommen etwas Besseres.  „The Dandy’s“ – die Beatweltmeister aus 1967, deren Bassist Dieter Kemmerling lebertransplantiert ist – sind schon da. Professor Dr. Roland Hetzer, der Gastgeber des heutigen Abends, empfängt uns alle per Handschlag. Eine schöne Geste. Frau Dr. Nickolaus und Frau Kandela haben alles toll vorbereitet. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries kommt etwas später und dann geht der offizielle Teil los. Professor Hetzer ist von den Kilometern, die sich die Radler vorgenommen haben, beeindruckt. Für das Transplantationsgesetz fühlt sich Frau Zypries „nicht ganz verantwortlich“. Aber wo sie schon mal da ist, geben wir ihr unsere Wünsche hinsichtlich der Umsetzung mit auf den Weg. Der Auftakt ist gemacht. Unsere Mission beginnt. Abends werden wir per Bus wieder in unsere Unterkunft nach Kleinmachnow gebracht.

Freitag, 30. Mai 2008

Ein toller Start in Berlin und eine Rosenlady

7.15 Uhr: Von den VIP-Reisen Berlin werden wir vom Hotel abgeholt und wieder in die Charite gefahren. Bei strahlend blauem Himmel fahren wir durch das morgendliche Berlin. Als der Fahrer nach dem Ziel fragt, schallt es:gesichter „Hannover“. Im Virchow-Klinikum erwarten uns der Ärztliche Direktor der Charite, Professor Dr. Ulrich Frei, Professor Dr. Petra Reinke aus der Transplantationsabteilung, die Senatorin für Gesundheit Frau Laumpscher und Frau Hecker vom AKTX-Pflege. Alle sind beeindruckt von so vielen munteren Transplantierten. Die Problematik des Organmangels wird Angesprochen – eine Lösung, wie man den Mangel kurzfristig beheben kann, nicht. Zum Abschied bekommt jeder von uns eine rote Rose von Professor Reinke. Eine tolle und liebe Geste. Danke.
Um 10 Uhr erwarten wir Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Im weißen Saal spielen zunächst die „Dandy’s“. Vor dem Deutschen Herzzentrum geht es dann los. Endlich. Die Radler sind alle motiviert bis in die Haarspitzen. Mangels eines geeigneten Startgerätes klatscht Ministerin Ulla Schmidt in die Hände. Wir verlassen Berlin in Richtung Norden und steuern Kremmen an. Im historischen Scheunenviertel machen wir um 13.30 Uhr Rast. Das war auch dringend nötig, da bei einigen bereits ein kritischer Zustand der Unterhopfung eingetreten war. Der Weg führt uns weiter durch die brandenburgische Steppe nach Neuruppin, der Fontanestadt. Das Wetter ist nach wie vor gut. Die Landschaft hier ist ein wenig hügelig. Wir erreichen die Neuruppiner Kliniken. Dort werden wir an einem schattigen Plätzchen empfangen – nach der vielen Sonne ein echter Genuß. Neben Herrn Hoffman und Herrn Bülow von den Kliniken ist auch Frau Weinert von der TKK da. Neben der Firma imtech aus Hamburg werden wir für diese Tour von der TKK unterstützt.

 
Samstag, 31. Mai 2008

Ein heißer Tag: Am Ziel winkt die Müritz

8 Uhr: Nach einem guten Frühstück rollen wir aus Neuruppin. Möglichst viel der heutigen Etappe wollen wir bis Mittag schaffen – der Hitze wegen. Nach der gestrigen Etappe gibt es bei einigen zunächst ein paar Inkompatibilitäten zwischen Gesäß und Sattel; nicht bei jedem ist das heute morgen eine harmonische Verbindung. Die Hauptposition auf den Einkaufszettel von Jürgen 1 und Jürgen 2: Getränke und nochmals Getränke.

Die beiden Jürgens begleiten uns per Auto und versorgen uns mit Flüssigem, Obst und anderen Leckereien. Wir radeln zunächst durch die etwas karge Landschaft von Nord-Brandenburg. Was bei so einer Radtour nicht ausbleibt, ist das Verfahren – und so fahren wir etwas mit der Kirche ums Dorf. Nach Norden heißt: Waden eincremen, nicht das Gesicht. Unsere erste Station ist am Schloß von Rheinberg. Jürgen beschließt, die lokalen Obsthändler zu unterstützen, sozusagen „Aufbauhilfe Ost“. Die Temperaturen steigen, die Wege sind teilweise sehr sandig und die gefühlten Kilometer nehmen schneller zu als die gefahrenen. Wir erreichen unseren Versorgungswagen. Mit den kleinen „Verfahrungen“ haben wir bereits 80 Kilometer hinter uns gebracht. An einem schattigen Plätzchen beginnen wir mit Heißhunger die Brötchen und Erdbeeren zu verschlingen. Unser Zeitplan gerät nun aus den Fugen. Anruf bei der Müritzklinik: verspätete Ankunft. Die Dialysepatienten wollen noch weiterradeln, auch wenn es mit der Dialyse knapp wird. Bevor es weitergeht, nimmt Stefan noch ein Bad im Hafen von Sembzin. Die Strecke haben wir verkürzt.
Mit großen Hallo werden wir in der Kurklinik Klink empfangen. Viele der Reha-Gäste hatten das Angebot genutzt, uns, angeführt vom Bürgermeister, auf den letzten Kilometern zu begleiten. Das Gelände der Müritz-Klinik – ein schöner Park, Schatten, Musik – alles was uns hilft zu regenerieren.

 
Sonntag, 1. Juni 2008

Ein besonderer Geburtstag

7 Uhr: Frühstück im Müritz-Hotel. Das Ambiente dieses in den 70er Jahren erbauten Hotels hat einen tollen Charme. Es gibt eine große Geburtstagstorte: Unser Mitradler Franz – auch Volkswagen genannt – ist heute 28 Jahre transplantiert. Seine Niere läuft und läuft. Das ist schon beeindruckend und gibt vielen Mut für ihre eigene Zukunft. Ines, eine Kinderdialyseschwester aus Rostock, kommt mit ihrer Freundin, um uns von Klink bis nach Rostock zu begleiten. Auch Sie hatte schon den DIalyse-Blues - nun sieht sie, dass es auch andere Geschichten gibt. Nach der Verabschiedung mit großem Dank an die Organisatoren radeln wir los. Noch ist es frisch und nachdem es gestern etwas chaotisch mit dem Gruppenfahren war, rollen wir nun in geschlossener Formation weiter gen Norden. Wir genießen die Ruhe abseits der Straßen. Meck-Pomm ist hier ganz schön hügelig. An den Steigungen zieht sich unser Peleton bisweilen weit auseinander.
Mit etwas Verspätung erreichen wir Güstrow. Bei den KMG Kliniken werden wir sehr herzlich von Verwaltungsdirektor Fischer und dem Landrat mit Grußworten empfangen. Mit Gästen machen wir uns circa 14.30 Uhr auf den Weg nach Schwaan, wo weitere Radler zu uns stoßen: Professor Dr. Ernst Klar und Professor Dr. Wolfgang Schareck vom Transplantationszentrum Rostock sowie Dr. Martina Bunge als Sprecherin des Gesundheitsausschusses. Wir rollen in Rostock ein. Ines führt uns zielsicher durch den „Großstadtdschungel“ zum Stadthafen, wo die „Dandy’s“ schon spielen. Der Sozialdezernent der Stadt Rostock, Professor Klar und auch Frau Dr. Bunge sprechen zu uns.

 
Montag, 2. Juni 2008

Jetzt gehts Richtung Westen

Frühstück. Die Nacht haben wir gut im Hotelschiff „Georg Büchner“ im Rostocker Hafen zugebracht.Viele Inkompatibilitäten lassen momentan vieles gegen Radfahren und nur weniges dafür sprechen.Für einige ist es jeden Tag ein kleiner Kampf, aber nur ein kleiner; der Spaß am „Quälen“ überwiegt. Inzwischen hat sich die Gruppe eingefahren und auch die Ausreißversuche an der Spitze werden weniger. Vorne eine orange-rote Weste und hinten eine grell gelbe. Über Nebenstraßen verlassen wir kurz nach 8 Uhr Rostock. Noch am Ortsausgang ereilt uns der erste Plattfuß. Die Fahrradprofis beheben ihn in schnellen sieben Minuten. Durch hügeliges Gelände – die Schwarzwälder haben mir erklärt, daß es sich keineswegs um Berge handelt – geht es Richtung Wismar weiter. Relativ pünktlich erreichen wir Wismar, die alte Hansestadt. Auf dem Marktplatz werden wir von Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilken und Pressevertretern empfangen. Da es im Inneren des Rathauses zehn Grad kälter ist, verlagern wir das Geschehen nach drinnen. Dr. Möws von der TKK ist ebenfalls vor Ort und wird die Halbetappe bis nach Schwerin mit radeln. Einer unserer neuen Mitradler hat ein T-Shirt mit der Aufschrift „ready to transplant“. Das sind viele. Die allermeisten müssen allerdings sehr lange warten und aus „ready for transplant“ wird auch schon mal ein „nogo“, wenn die Sekundärerkrankungen zunehmen.
Und weiter geht’s. Die Hitze macht uns heute mehr zu schaffen. Unsere beiden Versorgungs-Jürgens sind Wasserträger im wahrsten Sinne des Wortes. In Bad Kleinen hat Jürgen noch einen schattigen Platz am Wasser gefunden. Die ersten unserer Mitradler wechseln das Sportgerät (Badehose) und wollen den Rest schwimmen. 16.45 Uhr: Mit großem Hallo werden wir an den Helios-Kliniken in Schwerin empfangen. Es gibt sofort isotonische Getränke: Weizen alkoholfrei. Auch einige TransDia-Mitglieder haben sich eingefunden. Danke an Annemarie, Traudl, Renate, Hugo, Gunter und Michael. Dank auch an die Helios-Kliniken und ihre Helfer.

 
Dienstag, 3. Juni 2008

Lübeck calling

7 Uhr: Wir frühstücken im Ramada-Hotel, einem Plattenbau aus den 70er Jahren. Wir verabschieden Sabine und Hannah. Danke für die nette und liebe Begleitung. Sind die beiden doch nicht selber betroffen, aber stark an unserem Thema interessiert. Heute geht’s auf in den „Westen“. Bis zu unserem ersten Halt in Ratzeburg sind es etwa 66 km. Der Außenbereich von Schwerin hat kleine Erhebungen. Carlo, der Schweizer, fühlt sich fast wie zu Hause. Er gibt viel Gas, dann steht er am Straßenrand und schmeißt Tabletten ein. Der erste Fall von Doping? Ursel geht es heute nicht gut, daher wird sie den beiden Jürgens für den Rest des Tages Gesellschaft leisten. Weiter geht es zunächst nach Meetzen, wo wir an unserem Rastpunkt ein Künstlerehepaar kennenlernen.Sie sind erstaunlich gut über unser Thema informiert und es ergeben sich nette Gespräche.Ankunft an den Röpersberg-Kliniken in Ratzeburg. Michael hat sich hier um alles gekümmert. Die stellvertretende Bürgermeisterin, die Presse, der Leiter der Klinik – alle sind da. Der Presse ist viel zu erklären, das machen wir inzwischen gerne. Jan, Sohn von Michael, kommt auch. Ihn habe ich 1996 kennengelernt, war mit ihm 1997 bei den Weltspielen in Sydney. Dann war er sieben Jahre an der Dialyse und ist nun seit September 2007 wieder transplantiert. Auch Katrin taucht dort auf. So ein dezentraler Verein hat auch Vorteile. Nach ausreichender Pause nehmen wir die letzten 24 Kilometer nach Lübeck in Angriff. Dr. Winterhoff, ein Dialysearzt, aus Lübeck, begleitet uns. Es geht auf einem schattigen Weg entlang des Ratzeburger Sees. 16 Uhr: Breaking News. Die erste Wolke seit unserem Start in Berlin zeigt sich am Himmel. Fast in der Zeit erreichen wir die Uniklinik Schleswig-Holstein in Lübeck. Dr. Nitschke, Herr Cramer und andere Ärzte der Klinik begrüßen uns. Es geht noch auf den Rathausplatz, wo wir gebührend empfangen werden. Im Rahmen eines allgemeinen Stadtfestes hat Michael uns einen Empfang durch den Senator organisiert. Unser Appell wird eindringlich vorgetragen.

 
Mittwoch, 4. Juni 2008

Längs der Ostsee

Frühstück in Lübeck. Alle sind guten Mutes.
Schnell sind wir außerhalb der Stadt. Nun geht es in die Holsteinische Schweiz. Unsere erste Rast ist in Sarau. Wie immer hat die Jürgen-Combo alles perfekt vorbereitet. Wenn wir die nicht hätten ... Weiter geht es in schneller Fahrt in Richtung Plön. Um 11.30 Uhr werden wir sehr herzlich von den Dana-Kliniken empfangen. Bürgermeister Jens Paustian ist ebenso dabei. Er stellt viele Fragen zu unserem Missionsthema. Nach Terminen mit der Presse geht es weiter in Richtung Kiel. In Rönne treffen wir Dr. David-Walek, der in seiner Funktion als Dialysearzt das Thema Dialyse und Bewegung etwas wissenschaftlicher betreibt als wir es können. Mit ihm treffen wir in Kiel am Assmuss-Bremer-Platz ein. Frau Dreidemie hat alles vorbereitet und viele sind gekommen, um unsere Ankunft mitzuerleben: Ärzte des UKSH, Campus Kiel, Frau Ulrich als Vertretung der Landesregierung und viele andere. Die Suche eines Nachtquartiers für unsere Fahrräder ist von Chaos geprägt, wird aber gelöst.

 
Donnerstag, 5. Juni 2008

Schrecksekunde

Langsam setzt sich der Troß in Kiel in Bewegung. Wir haben drei mitradelnde Gäste: Peter aus Hamburg, und einen herztransplantierten jungen Mann mit Freundin aus Kiel. Bald radeln wir auf Neumünster zu; es geht weiter in Richtung Bad Bramstedt. Im Schloß von Bad Bramstedt empfängt uns Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Wie auch sein Kollege aus Plön ist er mit unserem Thema vertraut. Das ist schon mal klasse. Auch der Presse stehen wir wieder Rede und Antwort. Weiter geht’s nun Richtung Hamburg. Wir alle freuen uns auf dem Empfang in der TKK-Zentrale
in der Bramfelder Straße. Zuvor statten wir den Asklepios-Kliniken, Campus Heidberg, noch einen Besuch ab. Dann geht’s los und direkt an der ersten Kurve passiert es. Annemarie rutscht mit dem Vorderrad weg und stürzt. Nachdem bislang alles gut geklappt hat, ist dies nun der erste Unfall. Sie hat äußerlich nur ein paar Schürfwunden, aber der Schreck sitzt tief. Annemarie wird die letzten Meter mit dem Auto fahren. Viele Ampeln bestimmen den Weg durch Hamburg. Doch bald schon hören wir die Musik und sind dann auch am Ziel angekommen. Herr Kollhorst und Frau Sobotta haben alles toll vorbereitet. Wir werden von vielen Menschen sehr herzlich empfangen. Dann kommt Heinz-Rudolf Kunze mit kleiner Band. Gekonnt ist gekonnt. Für uns kommt der „Top-act“ allerdings erst danach. Katja, eine unserer transplantierten Mitradlerinnen setzt sich auf die Bühne und singt ein Lied von Annett Lousian. Ganz große Klasse. Danach legen die Dandy’s wieder los. Ein gelungener Abend; Dank den Organisatoren von Stadt und TKK.

 
Freitag, 6. Juni 2008

Noch mehr Unfälle

Die Nacht in Hamburg war kurz. Nun geht es zu den Asklepios-Kliniken in Hamburg-Altona. Professor Brause engagiert sich mit seinen Mitarbeitern sehr zu unserem Thema. Mit drei Stationen in Hamburg werden wir der großen Stadt gerecht. Peter, unser „local Guide“, bringt uns auf schnellstem Wege an die Elbe und Richtung altem Elbtunnel. Im Hafengebiet ist nicht gut radfahren. Und dann passiert es. Dieter 1 stürzt an irgendwelchen Metallschienen. Er hat Schmerzen, fährt aber weiter. Per Fahrstuhl geht es auf den Grund der Elbe. Um Fotos zu machen, steige ich vom Fahrrad ab. Irgendwo stoße ich mich und blute relativ heftig. Mit dem von den Asklepios-Kliniken ausgehändigten kleinen „Reparaturset für menschliche Zwischenfälle“ bekomme ich die Sache in den Griff. Wir fahren weiter durch das Hafengebiet südlich der Elbe. In der Hektik stürzt Dieter 2 und somit haben wir nun den dritten Unfall heute. Es reicht jetzt. Wir erreichen den Stadtrand. Da wir kein festes Mittagsziel haben, sucht die „Jürgen-Gang“ einen Pausenort. Meine Verletzung hat mich etwas aus dem Rhythmus gebracht. Ich mache einen halben Tag Pause im Wagen und so bekomme ich mal mit, was für einen Streß die beiden Jürgens haben. Man kann jedem Radler nur empfehlen, einmal im Begleitwagen mitzufaheren. Das ist nicht selbstverständlich, was da geleistet wird. Die Radler kommen in der Klinik in Fallingbostel an und werden vom Direktor empfangen. Ruhig lassen wir den Abend ausklingen.

 
Samstag, 7. Juni 2008

Finale - Unfallserie beendet

Es fällt keiner mehr vom Fahrrad Wieder müssen wir früh raus, denn die Strecke ist weit und wir sollen um 14.30 Uhr in Hannover sein. Alle würden gerne mal ausschlafen. Unseren Dialysepatienten wird an diesem Tag eine Dialyse am Vormittag in Langenhagen „spendiert“, so daß alle Teilnehmer ins Ziel radeln und am letzten Abend zusammensitzen können. Die Radler legen los. Berge wird es nach Hannover nicht geben. Die erste Rast erreichen wir nach Plan um 11.30 Uhr und es sieht gut aus für eine pünktliche Ankunft in Hannover. In der Dialysestation besuchen wir Lotte – sie hat die meiste Zeit ihres noch jungen Lebens in der Dialyse verbracht – sowie Ursel und Frank und lernen dort auch den Arzt kennen. Wir haben nicht den Eindruck, daß er unsere Aktion für gut hält oder gar unterstützt. „Dialysezeit ist Lebenszeit“ ist unser Slogan. Das heißt aber nicht, daß wir ihnen nicht eine schnelle Transplantation wünschen. Alle schwingen sich aufs Rad, auch unsere Rekonvaleszenten. Und nun geht es auf die letzten Kilometer dieser Radtour-pro-Organspende 2008. Uhr treffen wir am Karmaschplatz ein. Die Kameras laufen. Mit Freude beenden wir diese Tour, haben aber auch etwas Wehmut. Und heute ist der „Tag der Organspende“. Mit der Abschlußveranstaltung in Hannover – organisiert von Dr. Bettina Albers für die Gesellschaft für Nephrologie,die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie und die Deutsche Nierenstiftung – will man auf diesen Tag hinweisen und die sportliche Leistung der nierenkranken Teilnehmer honorieren. Im „Nierenzelt“ wurde die Öffentlichkeit anläßlich des Tags der Organspende umfassend über Nierenerkrankungen und Präventionsmöglichkeiten informiert. „Wir wollen der Öffentlichkeit demonstrieren, welche Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und auch Lebensfreude Menschen nach erfolgreicher Transplantation haben, aber auch, daß Dialysezeit ebenso Lebenszeit ist“, betonte TransDia e.V. Dialysepflichtige Menschen haben, trotz einiger Einschränkungen, ebenso Lebensqualität und sollten sich für eine eventuell bevorstehendeTransplantation fit halten, denn: „Die Transplantationsmedizin ist eine Erfolgsgeschichte.“

 

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