RpO goes east

Nach 2007 und 2008 hat findet in diesem Jahr zum dritten Male die Radtour-pro-Organspende statt. Diesmal haben wir uns in der Zeit vom Freitag, den 12. Juni, bis Samstag, den 20. Juni 2009, im Osten (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) rumgetrieben. In acht Etappen war die Strecke von Dresden nach Erfurt zu bewältigen – jedoch nicht auf direktem Wege, sondern mit einigen Hürden (Bergen) und Unwägbarkeiten (gesperrte Straßen). Für die Öffentlichkeitsarbeit aber war es wieder ein Erfolg. Man kann schon sagen, daß die Region an dieser Tour teilgenommen hat. Eine vorbereitende Pressearbeit zahlt sich aus. Katja Konwer hat einige kleine Filmchen mit dem Handy gedreht. Auch die sind als Link auf der Seite zu finden.

Wolfgang Ludwig

 

Prolog, Freitag, 12. Juni 2009

Krankenhausauszeichnung Dresden

Im Blockhaus der sächsischen Landesregierung fand die diesjährige Krankenhausauszeichnung der DSORegion Ost statt. Diese feierliche Zeremonie, war Rahmen des Startes der Radtour-pro-Organspende 2009. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hat sich neben dem Start in großem Maße bei dieser Radtour engagiert. An jedem Zwischen- und Etappenziel waren Mitarbeiter anwesend. Dafür ein herzliches Dankeschön. Ministerin Christine Claus (Sächsisches Sozialministerium) hat mit einem platzenden Ballon den Start zelebriert. Unruhig wie immer traten dann die 20 Protagonisten in die Pedale, um den Prolog, eine gelungene Stadtführung durch Dresden, zu starten. 13 Transplantierte, sechs Dialysepatienten und ein Lebendspender waren die diesjährigen festen Teilnehmer der Tour.

 
Samstag, 13. Juni 2009

Die Karawane rollt

Start um 9 Uhr in Dresden am Hotel. Eine Mitfahrerin des Herzzentrums gesellt sich noch zu uns. Pünktlich machen wir uns auf den Weg. Kurz darauf sind wir an der Elbe und müssen erkennen, dass wir das falsche Ziel haben, denn der Wind bläst nur von vorne und zwar kräftig und direkt ins Gesicht. Die Fahrt durch die Elbauen ist sehr entspannend. Für die Streckenführung haben wir uns nach den Problemen im vergangen Jahr etwas Neues überlegt. Wir haben den Weg am PC geroutet, alle wichtigen Punkte (Krankenhäuser, aber auch die Hotels) mit eingegeben und diese Route in die kleinen Navigeräte geladen. Bislang funktioniert es sehr gut, die Kilometer passen. Wir können flüssig fahren. Die Truppe freut sich und es ist ein harmonisches Fahren. Jeder findet schnell seinen Platz und es geht zügig voran – nicht durch schnelles, sondern durch gleichmäßiges Fahren Nach 20 Kilometern erreichen wir den Ortsrand von Coswig, eine kleine Pause und dann die Fahrt zum Krankenhaus. Dort werden wir – trotz Samstag – sehr nett empfangen. Premiere: Die Krankenpflegerschülerinnen haben uns alkoholfreie Cocktails gemixt. Tolle Idee. Im Krankenhaus von Coswig gibt es viele Wartepatienten für eine Lungentransplantation. Für unsere Gastgeber, insbesondere die Krankenpflegerschülerinnen, ist es schön zu sehen, wie gut es einem nach der Transplantation gehen kann. Nach gut einer halben Stunde machen wir uns wieder auf den Weg. Zurück an den Elberadweg. Bald müssen wir dann den ebenen Weg verlassen und nach Westen Richtung Döbeln abbiegen. Hier geht es ganz schön auf und ab. Zusammen mit dem Gegenwind recht anstrengend. Aber: Wir sind in einer Mission unterwegs – Ausruhen können wir uns auch zu Hause. Franz, unser Senior aus Bottrop in jeder Beziehung (am ältesten und am längsten transplantiert), hat für die Tour extra investiert – und zwar in einen „Steppenwolf“. Das ist nicht etwa ein pelziges Tierchen, sondern ein Fahrrad der besseren Sorte (hat er aus der Abwrackprämie finanziert). Mit ihm beziehungsweise den beiden sollten wir noch viel Spaß bekommen. Nach getaner Arbeit kann man drei der Protagonisten hier beobachten.

 
Sonntag, 14. Juni 2009

Leipzig wartet, die Autofahrer nicht

Das Frühstück schmeckt gut im Döbelner Hof, auch wenn die Nacht etwas kurz erscheint. Auf dem Hotelparkplatz formieren wir uns. Zwei Mitradler treffen ein – Studenten, die im Telefondienst der DSO in Leipzig Dienst tun und aus purem Idealismus mitradeln. Für die Sache. Somit haben wir dann doch noch Mitarbeiter der DSO in die Radtour integriert. Die anderen trainieren bestimmt noch. Leipzig ist unser Ziel. Circa 90 Kilometer liegen vor uns – mit kleinen Bergen. Kommen wir als Gruppe an eine Kreuzung oder müssen einfach die Straße überqueren und geben Handzeichen – keiner hält. Ganz im Gegenteil, es wird Gas gegeben. Für jemanden wie mich aus Münster sind solche Verhaltensweisen nicht nachvollziehbar. In Münster wird auf jeden Radfahrer gewartet. Sind wir in unseren Trikots denn so furchteinflößend? Wir wollen die Organe doch gar nicht sofort. So ein Verhalten im Straßenverkehr und dann das Thema Organspende. Ok, lassen wir das. Weiter geht’s, kleine Hügel für die Beine, schöne Landschaften für die Augen. Sorgen macht uns inzwischen das in unserem Versorgungsfahrzeug eingebaute Regal. Durch die „Qualität“ der kleinen Straßen hat es enorm an Festigkeit eingebüßt, es wandert bei jeder Kurve von rechts nach links. Da sind Jürgens (o.re.) und Thomas‘ (beide nierentransplantiert) improvisatorische Fähigkeiten gefragt. Die beiden haben uns mit dem „Tourbus“ begleitet Jürgen bereits zum dritten Mal, und wir wurden – wie gewohnt – in allen Fällen hervorragend versorgt. In Wermsdorf werden wir herzlich empfangen, engagiertes Personal, auch mit Interesse am Thema. Wir fühlen uns gut aufgehoben. Unser Zeitplan stimmt bis auf die Minute, so bleibt viel Zeit zum Erzählen, aber auch Beine hochlegen. Wir sind erfreut, dass hier Interesse besteht – und auch die Zeitungen sind da. Dann geht es bei strahlendem Sonnenschein weiter Richtung Leipzig, vorbei am Völkerschlachtdenkmal erreichen wir bald die Uniklinik. Dort werden wir von Professor Dr. Dirk Uhlmann empfangen, Annegret Bresch vom Landesverband der Nierenpatienten ist auch da. Gerne hätte sie sich mehr engagiert, die Verbandszeitschrift hatte es jedoch versäumt, auf unsere Veranstaltung hinzuweisen. Schade für die Sache Organspende, aber schade auch für die Patienten, die vielleicht gerne ein Stück mitgeradelt wären. Keine Presse, keiner interessiert sich für uns. Das ist traurig. Auch andere Patienten nicht, die zuhauf herumlaufen. Warum fragen die sich nicht, was da los ist? Es tauchen doch nicht jeden Tag Radler auf, die einheitliche Trikots tragen. Interesse hat aber auch was mit Neugierde und Intellekt zu tun.

 
Montag, 15. Juni 2009:

Durch die „grüne Hölle“ nach Dessau

Früh morgens (8.30 Uhr) starten wir in Leipzig. Jürgen und Thomas suchen erst einmal eine Schreinerei und lassen dort das Regal auf Vordermann bringen. Zunächst radeln wir durch den Großstadtdschungel, denn wir müssen aus dem Stadtzentrum von Leipzig bis an den nördlichen Stadtrand. Dort erwartet uns ein kleiner Weg durch die „grüne Hölle“ des Nordens. Es ist erstaunlich, dass ein solch kleiner Weg in unseren Navigationsgeräten verzeichnet ist. Dieser Weg hat uns aber viel Spaß gemacht. Beim Durchqueren eines Biosphärenreservats (Truppenübungsplatz) finden unsere beiden Mädels (Antonina und Katja) einen kleinen verletzten Vogel. Sie schieben ihn ein bisschen zur Seite, damit er nicht von vorbeifahrenden Autos erfasst wird. Franz, ganz tierlieb, erklärt den wartenden Radlern, daß sie früher den alten Tauben einfach den Hals umgedreht haben damit sie nicht so leiden mussten. Ob Franz mit alternden Rentnern genauso verfahren würde, wissen wir nicht. Ich möchte das Thema an dieser Stelle aber auch nicht vertiefen. Zu einem Truppenübungsplatz gehört auch eine zünftige Wasserdurchfahrt. Weiter geht es dann Richtung Bitterfeld. Wir fahren eine zeitlang an dem großen Goitschsee entlang. Dieser See entstand im Jahre 2002 durch das große Hochwasser an der Mulde, bei dem auch das Krankenhaus unserer Zielankunft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Pünktlich erreichen wir das Krankenhaus und werden nett empfangen. Selbst die stellvertretende Bürgermeisterin von Bitterfeld-Wolfen hat sich die Zeit genommen, uns zu begrüßen. Dem Klinikpersonal merkt man das Interesse an diesem Thema an. Außerdem war auch die lokale Presse anwesend! Geht doch! Unsere gestrigen Befürchtungen, dass es keinerlei Resonanz auf uns gibt, haben sich somit nicht bewahrheitet. Wir hoffen, dass Leipzig ein Einzelfall bleibt. Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Dessau. Die Fahrt ist entspannend und es stellen sich keine großen Berge in den Weg. Am Ortsrand von Dessau werden wir von Dr. Frank Lautenschläger (Facharzt für Anästhesiologie und Transplantationsbeauftragter am Klinikum Dessau) und Mitgliedern der IG Niere Dessau empfangen. Sie begleiten uns dann in Richtung Klinikum. Der Empfang hier ist sehr herzlich und von noch mehr Interesse begleitet. Zum Abendessen bekommen wir ein klassisches italienisches Gericht: Ein paniertes Schnitzel mit Ei und Nudeln mit Tomatensoße und Zucchinigemüse. In Gesprächen mit dem Transplantationsbeauftragten, der seit zehn Jahren am Klinikum Dessau für Organentnahme zuständig ist und jedes Jahr regelmäßig fünf bis sieben Organspenden hat, erfahren wir, dass er erst in diesem Jahr zum ersten Mal einen Spender mit Organspendeausweis hatte. Da erscheint die Zahl von zwölf Prozent Organspendeausweisträgern unter der Bevölkerung in einem anderen Licht. Nach einem tollen Abend werden wir vom Transplantationsbeauftragten noch persönlich zum Hotel begleitet. Dass es dabei in Strömen regnet, hat ihn auch nicht gestört. Abends beim Bier erklärt uns Antonina noch den Vorteil von Mountainbikesocken: Die Socken fahren von alleine, man bräuchte nicht mehr zu treten! Super Sache, demnächst wird es diese Socken im TransDia-Shop zu kaufen geben. Wir arbeiten noch an einer Version für Langstreckenläufer und an speziellen Badehosen für unsere Schwimmer. Franz ist, obwohl wirklich durchtrainiert, ganz scharf auf die Socken.

 

Dienstag, 16. Juni 2009

Auf zum nördlichsten Punkt – Magdeburg

Um 9 Uhr verlassen wir die Nobelherberge in Dessau. Es ist trocken, aber kühl. Thomas muss erst einmal ins Krankenhaus, ihm tut die linke Seite weh. Gott sei Dank nichts Ernstes. Langsam setzen wir uns in Bewegung. Die Beine werden nur langsam warm. Die heutige Etappe ist nicht so lang – etwas zum entspannen. Die Route musste heute Morgen umgeplant werden – die Fähre in Aken fährt zurzeit nicht. So nehmen wir eine Brücke in der Nähe von Dessau, um die Elbe zu überqueren. Wir kommen gut voran, trotz des Gegenwindes. Heute Morgen hat sich noch ein Mitfahrer aus Magdeburg zu uns gesellt. Er hat neun Jahre mit großen Schwierigkeiten dialysiert, dabei einen Herzinfarkt überstanden. Nun ist er heilfroh über seine gelungene Transplantation. „Klar hätte ich bis ans Lebensende dialysieren können“, sagt er, „aber dann wäre mein Lebensende sehr bald erreicht gewesen“. Ganz sicher wäre er ohne Transplantation nicht in der Lage gewesen, bei uns mitzuradeln – von der Lebensqualität ganz zu schweigen. Es gibt Dialysepatienten, die schon mehr als 30 Jahre dialysieren. Aber das sind die wenigsten und dies funktioniert auch nur, wenn man das Glück hat, keine Sekundärerkrankungen zu bekommen. Gerade an solchen Menschen erkennt man, wie wichtig das Thema ist und die segensreiche Errungenschaft der Transplantation. An der Naturschutzstation Ronney treffen wir Rüdiger Hanschmann (Vorsitzender des ADFC Salzlandkreis), der uns nach Schönebeck geleiten wird. Bis dorthin müssen wir heute schon vor der Mittagspause 50 Kilometer radeln. Bereits im Vorfeld der Tour ist mir das Engagement der Klinik aufgefallen. Hier im Krankenhaus hat die Organspende einen sehr großen Stellenwert. Wir werden sehr freundlich, inklusive eines Kamerateams des MDR, empfangen. Cornelia Heller, die Pressesprecherin der Klinik Schönebeck, hat sich sehr viel Mühe gemacht und ihr Aufwand hat sich gelohnt. In der Cafeteria können wir unseren Kohlehydratspeicher auffüllen. Wir radeln unter Führung von Helge entlang der Elbe Richtung Magdeburg. Rüdiger Hanschmann hat ab der Sternenbrücke eine Polizeieskorte organisiert, die uns zum Uniklinikum Magdeburg begleiten wird. An der Sternenbrücke angekommen, warten wir auf die Polizeieskorte und ziehen Pullover und Jacken aus, damit man unsere T-Shirts erkennt. Bald kommen die Polizisten auf ihren Dienstfahrrädern Marke „Bulls“. Zügig werden wir durch die Polizisten an die Uniklinik geführt. Dort werden wir sehr herzlich von Professor Dr. Hans Lippert, dem Chef der Lebertransplantation, empfangen. Die lokale Presse und die Krankenhauszeitung werden über uns berichten. Professor Lippert ist von unserem Engagement beeindruckt und findet die Idee der Radtour-pro-Organspende toll. Bei Erfrischungsgetränken und Plätzchen gibt es noch viele gute Gespräche. Kurz darauf möchten wir ins Hotel radeln und werden durch einen Plattfuß aufgehalten. Gemeinsam sind wir stark. Auch ohne selbst ernannte Fahrradexperten bekommen wir das Rad in fünf Minuten geflickt. Im Hotel halten wir uns abends bei „All you can eat“ schadlos. Leider gibt es keine Flatrate fürs Biertrinken.

 

Mittwoch, 17. Juni 2009

Ab in die Nähe des Harzes

Unseren nördlichsten Punkt verlassen wir nun Richtung Quedlinburg. Auf dem Papier ist dies eine kurze, leichte Etappe. Wir radeln gen Süden, die Sonne im Gesicht. Heute fahren wir mittags kein Krankenhaus an und müssen uns selber versorgen beziehungsweise Jürgen und Thomas erledigen den Job. Bei unserem ersten Stop lernen wir unsere Witzeweltmeisterin kennen; Witzemeisterin im Kurzstreckenwitz und im Langstreckenwitz. Im Laufe des Gesprächs stellt sich dann heraus, dass Antonina doch noch ein paar sprachliche Hürden zu meistern hat. Obwohl sie ansonsten fehlerfrei Deutsch spricht, ist aus der Vizemeisterschaft, die sie in Hamburg anläßlich der Deutschen Meisterschaften errungen hat, eine Witzemeisterschaft geworden. Somit haben wir heute schon den ersten Lacher gehabt. In Gröningen warten Jürgen und Thomas mit einem leckeren Mittagessen auf uns. Da wir relativ flott unterwegs waren, hatten wir auch Zeit, die Mittagspause etwas länger zu gestalten. Also legten wir uns ins grüne Gras und genossen die Sonne. Da Antonina und Katja sich nicht einfach wie die Männer in die Büsche verschlagen konnten, machten sie sich auf, um ein „Örtchen“ zu suchen. An einem kleinen Baggersee wurden sie fündig. Toilette konnte man dazu nicht unbedingt sagen, es war zwar ein Dixiklo. Als Katja diese „Toilette“ benutzte, stellte sie fest, dass es eigentlich nur ein Donnerbalken war. Da haben wir gemerkt, dass unser Solizuschlag doch nicht überall ankommt. Nach eineinhalb Stunden Pause, solange wie nie zuvor, nehmen wir die letzten 20 Kilometer des Tages in Angriff. Es geht leicht bergab und so erreichen wir relativ schnell unser Ziel am Klinikum Quedlinburg. Dort werden wir von Presse und örtlichen Honoratioren empfangen. Der Landrat, der Bürgermeister und viel Klinikpersonal der Intensivstation haben sich die Zeit genommen, uns zu begrüßen. Auf einer Wiese ist ein Zelt aufgebaut und wir bekommen ein wirklich leckeres Essen serviert (Lasagne, Broccoli-Gratin, Käseplatte, Wurstplatte, Obstsalat). In den Gesprächen merken wir auch hier, dass nicht nur die Mediziner, sondern auch die Verwaltung hinter dem Thema Organspende steht. An- und Einsichten aus Bottrop: Am Abend schlendern wir noch durch die Stadt und finden Platz in einem kleinen Lokal. In lustiger Runde erzählt uns Franz aus dem Leben in seiner Heimatstadt; unter anderem, dass er morgens in 15 Minuten fertig sei, wenn nicht seine ausgiebigen Sitzungen nötig wären. Auch scheint ihn seine K. doch sehr zu pflegen und zu umsorgen, so dass wir schon den Eindruck haben, dass es sich hierbei um eine Sonderform des betreuten Wohnens handelt. Die Räder sind dreckig, da müssen wir etwas gegen tun. Die sächsisch-anhaltinische Steppe hinterlässt ihre Spuren. So werden die Fahrräder erst einmal in der Zimmerdusche gesäubert.

 

6. Etappe, Donnerstag, 18. Juni 2009

Über 100 Kilometer und Berge ...

Heute kommt die erste Hammeretappe. Über 100 Kilometer stehen uns bevor. Dazu noch Hügel und Berge. Wir sind alle gespannt, ob wir unseren Zeitplan einhalten können. Früh um 8 Uhr geht es los. Morgenstund hat Gold im Mund, sagt man. Bei uns ist es mehr Blei im Knie. Auch wenn wir gestern „nur“ 70 Kilometer geradelt sind, machen sich doch die ganzen Tage nun bemerkbar. Langsam geht es los und nach dem Streckenprofil müssen wir direkt 150 Meter in die Höhe. Ausgedruckt sieht das schrecklich aus. Los geht's. Langsam rollen wir gen Osten. Und dann kommt sie, die Steigung. Nur zwei Prozent – aber das über knapp zehn Kilometer. Das geht in die Beine und wir verstehen langsam, warum die Profis Epo nehmen – einige von uns auch, aber nur um eine normale Lebensqualität zu haben, nicht um mit 40 km/h über das Harzvorland zu rasen. Der Schweiß tropft und der herannahende Regen ist sekundär. An der ersten größeren Steigung begegnen wir zwei älteren „Kampfwanderinnen“, fachmännisch „Nordic- Walking“. Wissen die eigentlich, dass die mit jedem Stockeinstich im Wald Kleinbiotope zerstören? Wahrscheinlich nicht. Die Damen sind schon gesetzteren Alters und rufen uns zu, dss sie nicht mehr Radfahren, aber noch Nordic-Walking machen können. Der trockene Kommentar von Franz: „Wenn du nicht mehr radeln oder walken kannst, hast du nur noch Sex.“ – ok, schau‘n wir mal. Mit etwas Verspätung erreichen wir Hettstedt. Mit Luftballons und Bannern werden wir sehr freundlich empfangen. Toll, wie die Leute hier mitmachen. Der Koch hat sich richtig ins Zeug gelegt. Nur noch ein großer Berg und dann geht’s bergab, so heißt es in der Mittagspause. Aber leider gibt es auch „fiese kleine“ Steigungen, die wir anhand des Höhenprofils kaum identifizieren können. Langsam lernen wir die Höhenprofile zu lesen. Dr. Christa Wachsmuth von der DSO-Region Ost ist auch da. Es ist schön, daß die DSO die „lebenden Transplantierten“ entdeckt. „Fürs Leben“ heißt die Kampagne der DSO – TransDia e.V. bringt die Kampagne auf die Straße. Es wäre schön, wenn die DSO uns auch finanziell ein wenig unterstützen könnte, denn wir zahlen alle den größten Teil selber, aber so ist das mit Missionen ...

 
7. Etappe, Freitag, 19. Juni 2009

Berge, Berge und viele Kilometer

Heute erwartet uns die längste Etappe – 122 Kilometer, morgens um 7 Uhr ging es los. Das erste Kamerateam ist schon direkt am Hotel. Der gute Mann sucht zwar einen Benefizlauf, ist dann aber auch mit uns Radlern zufrieden. Schließlich sind wir ja auch für eine gute Sache unterwegs. Es ist noch kühl, runter an die Saale und dann immer dem Fluß lang. „Ho-Ho-Hopping – Hotel-Hospital-Hopping“ ist das Motto des heutigen Tages. Vier Krankenhäuser wollen wir besuchen. Merseburg ist das erste. Dank einer flotten Geschwindigkeit erreichen wir unsere Station noch vor der Zeit. Tolle Sachen gibt es zu essen, der Bürgerfunk ist da und viele Ärzte empfangen uns. Der Tag beginnt gut. Auch die Presse ist vor Ort und wir können unser Anliegen weitergeben. Weiter geht es zurück an die Saale, die Asklepios-Kliniken in Weißenfels sind unser Ziel. Auch hier machen wir (leider) wieder die Erfahrung, dass vor Krankenhäusern meistens ein kurzer, giftiger Anstieg liegt. Man freut sich, uns begrüßen zu dürfen. Tolle Stimmung und leckere Nudeln für den Kohlehydratspeicher. An jedem Krankenhaus sind auch Mitarbeiter der DSO präsent. Seit der Krankenhausauszeichnung in Dresden versuchen wir, Herrn B. aufs Fahrrad zu bekommen. Heute ist unsere letzte Möglichkeit. Bislang haben immer wieder widrige Umstände dieses Vorhaben unterbunden. Der Tag beginnt für Herrn B. schon schlecht, er kommt zu spät nach Merseburg – und wieder ohne Fahrrad. Der Mann ist gestresst. Während wir die letzten Körner aus uns herausquetschen, hat er Mühe, mit dem Auto hinterherzukommen. Ok, dann Weißenfels. Aber Herr B. ist um keine Ausrede verlegen. Wir erreichen Weißenfels und unsere Vorfreude auf Herrn B. in Radklamotten kennt keine Grenzen. Aber Herr B. ist schlau – er kommt im Anzug und hat wieder die eine oder andere Ausrede im Gepäck. Also, wenn ihr mal um eine Ausrede verlegen seid: Fragt Herrn B. – vor allem wenn es ums radeln geht. Im nächsten Jahr wollen wir mitradelnde Koordinatoren

 

8. Etappe, Samstag, 20. Juni 2009

Nur noch ein Berg und wenige Kilometer

Mit etwas Wehmut starten wir morgens in Jena. Heute ist der letzte Tag der „Leistungsschau“. Und zur Demonstration geht es erst einmal zehn Kilometer bergauf – nicht steil, aber gleichmäßig. Erst entlang der Straße und dann durch den Wald. Wir kommen aber gut voran und noch vor der geplanten Zeit erreichen wir den Gipfel. Nun geht es mit großen Schritten (mmh, Rädern) dem Ziel entgegen. In Weimar treffen wir vor der Zeit ein, auch hier wieder Presse und Fernsehen. Nun kommt die Öffentlichkeitsarbeit in Schwung. Und jetzt nur noch Erfurt. Dort ist das Krämerbrückenfest. Eine Veranstaltung mit Volksfest-Charakter und einer großen Bühne. Für 15 Minuten gehört die Bühne uns; und das Beste: die Zuschauer wissen nichts von uns und werden zwischen der Musik mit unserer Mission konfrontiert. Dr. Wachsmuth ist zum Abschluß der Tour auch gekommen, das freut uns besonders. 16.30 Uhr: Nun dürfen wir auf die Bühne. Anja Siefert, eine Radiomoderatorin, hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Moderation zu übernehmen. Sie macht das professionell und wir sind zufrieden mit dem was rüberkommt. Abends im Hotel in Erfurt setzen wir uns zusammen. Es gibt ein leckeres Essen und wir können die (Tor-)Tour pro Organspende 2009 Revue passieren lassen. Es war toll. Die Mitradler hatten sich schnell aneinander gewöhnt. Bei aller Freude über den Erfolg dieser Radtour sollten wir jedoch nicht vergessen, wem wir das Mitfahren zu verdanken haben. Wir alle freuen uns schon auf die Tour 2010.

Wolfgang Ludwig

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