Bei unserer Radtour-pro-Organspende 2008 radelte Carlo Brüngger aus der Schweiz mit. Er war begeitert. Und während des Radelns ist die Idee entstanden 2010 die Tour in der Schweiz zu starten. Freundlicherweise hat er uns danach diesen Reisebericht zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.

 

1006km Lebensfreude

Carlo Brüngger

Vom 17. bis 26. Juni hat die «Radtour-pro-Organspende» zum vierten Mal stattgefunden. Die vom deutschen Verein der Transplantierten und Dialysepatienten organisierte Radtour machte dieses Jahr einen Abstecher in die Schweiz. Im Rahmen der Tour de Suisse wurde in Meiringen im wunderschönen Berner Oberland der Startschuss von Swisstransplant-Botschafterin Monika Erb gegeben. Im Feld waren ca. 30 Nieren-, Leber-, Lungen- und Herztransplantierte sowie fünf Dialysepatienten. Auch zwei Koordinatorinnen von Swisstransplant und die Stiftungsratspräsidentin Trix Heberlein waren dabei. In Thun sind wir von der bekannten Politikerin Ursula Haller empfangen worden und abends dann im Inselspital mit Gesang vom Inselchörli.

Wohlverdiente Stärkung

Die erste Etappe der insgesamt zehn Etappen endete im Regen. Auch die zweite Etappe von Bern nach Basel durch das Schweizer Mittelland war zunächst eine ziemlich nasse Angelegenheit. Gegen Mittag wurden wir vor der St.-Ursen-Kathedrale in der schönen Barockstadt Solothurn empfangen. Danach strampelten wir bei starkem Regen über den Oberen Hauenstein. Am Ziel in Basel wurden wir von vielen applaudierenden Leuten bei strahlendem Sonnenschein empfangen.

Darunter waren auch Prof. Steiger und sein Team. Das offerierte Buffet war eine Gaumenfreude! Das hatten wir uns nach den 130 Kilometern wohl auch verdient.

Nach dem Regen scheint die Sonne Am dritten Tag haben wir die Schweiz im Car mitsamt Fahrradanhänger in Richtung Frankreich verlassen. Rund 20 Kilometer vor Mulhouse begaben wir uns mehr oder weniger freiwillig aufs Rad – es regnete in Strömen. Dennoch wurde uns an diesem Tag einiges geboten: In Mulhouse wurden wir von Polizisten auf Motorrädern durch die Stadt eskortiert, und der sonnige Nachmittag durch den Südschwarzwald nach Freiburg im Breisgau war eine wahre Freude. Von diesem Tag an war die Sonne unsere ständige Begleiterin, wodurch auch das Quecksilber im Thermometer wieder anstieg.

Strassburg, Karlsruhe, Heidelberg waren die nächsten Stationen. Dazwischen haben wir bei jeweils zwei bis drei Krankenhäusern haltgemacht, wo wir bestens verpflegt wurden. Bei einer Strecke von über 100 Kilometern pro Tag war der Appetit riesig, der Durst bei fast 30 Grad sowieso. In Heidelberg wurde der Initiant der «Radtour-pro-Organspende», Wolfgang Ludwig, im Rahmen des Projekts «Deutschland – Land der Ideen» entsprechend geehrt. Dies zeigt die Bedeutung dieser Tour für die wichtige Thematik der Organspende. Die Akzeptanz wird auch in der Politik immer grösser. Wo wir hinkamen, waren die Menschen von unserer «Mission», auf die Organspende aufmerksam zu machen, beeindruckt. Dieses grossartige Ereignis haben wir noch lange gefeiert.

Gemeinsam sind wir stark

Meistens waren wir alle viel zu geschafft, um abends noch auszugehen und die Städte zu erkundigen. Vielfach logierten wir in modernen Bed&Breakfast-Hotels ausserhalb der Stadt. So ist es vorgekommen, dass wir uns auch mal eine Pizza vom Lieferservice und ein Bier gegönnt und dies in geselligem Rahmen zelebriert haben.

Die Lebensfreude während der gesamten Tour war enorm beeindruckend. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir doch alle eine nicht ganz einfache Lebensgeschichte haben. Aber gemeinsam kann so vieles erreicht werden. Eine derart sportlicheLeistung zu erbringen beispielsweise. Zwei Begleitfahrzeuge haben unser Gepäck von einem Hotel ins nächste gefahren und uns während unserer halbstündigen Zwischenstopps an lauschigen Plätzchen immer aufs Neue mit allerlei Köstlichkeiten überrascht.

Meisterreife Leistung

Koblenz, Köln und schließlich Düsseldorf! Dort wurden wir von der Bürgermeisterin im Rahmen eines Radfestivals willkommen geheißen. Sogar das lokale Fernsehen war vor Ort. Wir waren alle sehr stolz auf uns und unsere außerordentliche Leistung. Schließlich sind wir ja keine Profis der Tour de France, sondern transplantierte Menschen oder solche, die auf ein lebensrettendes Organ warten. Ich selber bin schon zum zweiten Mal nierentransplantiert. Viele von uns leben jedoch schon seit vielen Jahren mit einem fremden Organ. So beispielsweise unser Dienstältester, «die Legende» Franz, 68-jährig. Er hat seine Niere schon seit 30 Jahren. Selbstverständlich musste auch dies gefeiert werden.

Die «Radtour-pro-Organspende» war ein überwältigendes Erlebnis voller Lebensfreude, Zusammenhalt und grosser Dankbarkeit unseren Spendern gegenüber.

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