TitelroadbookEine tolle Truppe

Wolfgang Ludwig

Die Erfahrungen aus dem Jahre 2011 (wenig Menschen) haben uns zu der Überzeugung gebracht, dass wir zu den Menschen hin müssen. Die Überlegungen waren dann schnell fertig und so radelten wir im Sommer in Lüneburg startend, zunächst etwas nördlich bis Heide, quer durch Jütland und entlang der Ostseeküste bis nach Greifswald. Katja Konwer hat in einem BLOG die Erlebnisse vor und während der Tour mitgeschrieben. Aus diesem Grunde die Tour hier nur in Kurzform. Links das Roadbook. Da steht drin, wo wir überall gewesen sind.

 

 

 

 

 

 

22.6.2012

Anreise und Prolog

Der neue Emsland Express steht bereit. Nur muss er noch beladen werden. Aber mit jahrelanger Erfahrung und viel Hilfe geht das schnell von der Hand. Zwei neue Radler haben wir auch dabei. Andrea (eine Niere) und Mary. Sie ist nicht transplantiert, stand aber mal einige Zeit auf der Liste zur Lungentransplantation und ist dann mit etwas Glück und viel Disziplin an einer Transplantation vorbeigeschrammt.

Über die A1 geht es Richtung Norden, Lüneburg ist das Ziel. Am späten nachmittag haben wir noch eine Stadrundfahrt in Lüneburg "gebucht", unseren diesjährigen Prolog. Die A1 lässt allerdings den Zeitplan wieder mächtig ins schwimmen geraten. Aber irgendwie klappt es dann doch. Rechtzeitig sind wir an dem vereinbarten Treffpunkt, Ursel und Wagen Nr. 2 im Schlepptau. Andere Radler sind schon da - aber es gibt natürlich auch wieder ein paar Hiobsbotschaften. Franz, er will dieses Jahr 3 Tage mitfahren, hat seinen Steppenwolf generalüberholt und vorsichtig in seinen Golf gepackt. Ging auch alles gut. In Lüneburg packt er den dann vorsichtig aus - aber  oh weh: das Vorderrad steht noch immer in Bottrop am Zaun. Shit happens. Aber auch in Lüneburg gibt es Fahrrdläden, die Vorderräder verkaufen...und Franz ist am nächsten morgen am Start.

Unser Prolog ist ein Tour durch die Stadt Lüneburg. Was die wenigsten wussten, dass hier sehr viele Schäden an den Häusern durch den Salzbergbau gab und auch noch gibt. Dies geht soweit, dass Häuser baufällig und unbewohnbar werden.

Abends gibt es dann einen Vortrag zum Thema Gewebespende von Tino Schaft, einem engagierten Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation. Wir freuen uns auch über einen Scheck der Gesellschaft für Gewebespende, der unsere Reisekasse füllt.

Mittlerweile sind alle eingetrudelt und der gemütliche Teil des Abends beginnt.

23.6.2012

Am nächsten Morgen geht es noch vor dem Frühstück bei vernünftigem Wetter zum Klinikum Lüneburg. Dort sind wir zum Frühstück eingeladen, die Presse ist schon da, und so nimmt die Tour einen tollen Start. Einen Artikel hat es sogar schon im Vorfeld gegeben. Wir frühstücken gut und reichlich, müssen wir doch auf den Harley-Days in Hamburg noch gegen viele PS bestehen.

Erste Zwischenankunft ist Winsen/Luhe an der Fähre Zollernspieker über die Elbe. Dort erwarten uns auch Marion und Bernd; sie wohnen hier in der Nähe und wollen uns etwas Gutes tun. Leckere Brötchen und noch leckerer Kuchen. Bislang läuft alles glatt, das Wetter spielt mit. Auf der Fähre wird uns wieder bewußt wie klein die Welt von Organspende und Transplantation ist: Der Fahrer eines hochpreisigen Cabriolets wird auf uns aufmerksam und schon bald stellt es sich heraus, dass er die Transplantationschirugen der Charite kennt. Auf der anderen Seite der Elbe geht es durch Wiesen zwischen den Elbarmen nordwärts.
Dann die erste Panne. Ein häßliches Geräusch und Vera's Schutzblech hat sich aufgewickelt. Zurechtbiegen und weiter gehts, die Harleys rufen. Uwischendruch sind wir auch mit einem Fernsehteam verabredet, die für ihre tollen Aufnahmen so einsame Streckenabschnitte aussuchen, die sie selber dann nicht finden. Aber alles wird gut.

Man kommt auch mit 100 Watt vorwärts...

Schon in einiger Entfernung hören wir das Grollen der Motoren, nee, nicht Reinhard Mey, sondern Harley Davidson. Wir haben auch einen genauen Anfahrtsplan zum Stand der IKN Hamburg. Dessen Vorsitzender, Peter Stötzer, hat heute auch noch Geburtstag. Aber erst Mal ankommen.

Das Sicherheitspersonal hält von meinem Anfahrtsplan gar nichts und schickt uns über einen großen Parkplatz, zwischen dicken LKW's hindruch. Und dann stehen wir vor Leitplanken,l und einem Zaun, und Müllcontainer. Bingo. Also Fahrräder auf die Schulter und raus aus dem Gewirr. Zu allem Überfluß müssen wir dann fast einen Kilometer gegen die Fahrtrichtugn der flanierenden Harley's uns ankämpfen. Shit. Nach schier endloser Zeit erreichen wir Den Stand der Nieren Hmaburg. Es gibt tolle T-Shirts und ein Glas Sekt. Prost - und Herzlichen Glückwunsch Peter Stötzer.

Kurze Pause und dann weiter zum UKE, nächster Zielpunkt - auch hier kommen wir dank der vorrausschauenden Planung pünktlich. Toll. Physiotherapeuten, Ärzte, eine Zelt, frische Bratwürste. Einfach toll. Und die Presse.

Dann ausrollen bis ins Hotel. Da sich das Navi aufhängt fahren wir eine Ehrenunde. Aber hier merkt man die tolle Truppe. Keiner meckert, keiner beschwert sich. Im letzten Jahr hätte es wieder selbst ernannte Spezialisten gegeben die alles besser gewusst hätten, wesentlich besser - so ist aber die Stimmung besser. Und das ist wichtiger.

Die Unterkunft hat Stil. Sehr nett, sehr freundlich. Es ist schon wichtig, bei der Auswahl der Hotel etwas mehr Zeit zu investieren.

24.6.2012

Bei schon schlechter werdendem Wetter gehts in die Asklepios-Klinik Altona - zum Frühstück. Da waren wir schon 2008 - in Gegenrichtung. Ärzte und Personal haben gewechselt, der Einsatz für Organspende bleibt. Die Senatorin für Gesundheit hat sich eingefunden und will - trotz des total miesen Wetters - mitradeln; Sportlerin durch und durch. Ebenso der ärztliche Direktor der Asklepios-Kliniken. Unser nächste Ziel ist Glückstadt. Dort findet im Rahmen der Matjeswoche die "inoffizielle Weltmeisterschaft" im Plattschaufelpaddeln statt. Auch da wollen wir mitmachen. Bis nach St. Margareten, ca. 90km. Den ganzen Tag geht es die Elbe lang, mal rechts, mal links vom Deich. Von der Asklepios-Klinik Altona ist es nicht weit bis zum Radweg an der Elbe. Und es regnet - aber die Stimmung ist gut. Auf nach Glückstadt. Bei dem Wetter treffen wir auch niemanden - außer ein paar Schafen, die es vorziehen sich uns in den Weg zu stellen. Es ist aber spannend anzusehen, wie sie vor den Radlern auseinanderweichen. Uns so geht es Stunde um Stunde durch das Deichvorland. Links die Elbe, rechts der Deich. Wir liegen gut in der Zeit - und denken ab und zu an die Weltmeisterschaft im Plattschaufelpaddeln. Reinfallen wäre nicht schlimm - naß sind wir sowieso.

Die Fahrradreifen schmeißen soviel Dreck nach oben, dass wir saumäßig aussehen. Der erste Stop mitten in der Pampa - aber Jürgen hat auch hier die Möglichkeiten gefunden einen warmen Kaffee für die Radler zu organisieren. Während wir ob des Wetters über ein warmes Getränk hocherfreut sind, sitzen neben uns - im Trockenen - die Dorfältesten zum Klönschnack und Frühschoppen. Kaltes Bier - geht gar nicht morgens um 11:00.

Wir radeln dann - etwas aufgewärmt weiter. Immer den Deich entlang. Glückstadt heißt das nächste Ziel. Es kommt näher. Wer die Idee für solche Radtouren hat gehört eigentlich erschlagen. Dann kommt Glückstadt, ab nach rechts zum Feuerwehrhaus. Ans Paddeln denkt im Moment keiner. Kurze Zeit später erfahren wir, dass das Paddeln abgesagt ist. Eigentlich ist der ganze Sonntag der "Glückstädter Matjeswochen" ins Wasser gefallen. Also aufwärmen, Matjesbrötchen, Kaffee - alles im Gebäude der Feuerwehr.

Und dann kommen die letzten 15 km des Tages. Ab nach St. Margarethen. Einzige Thema: warme Duschen. Kurz vorher noch ein Schreck. Bernd rutscht auf den Kuhgittern, die ab und zu den Deichweg unterbrechen, aus und stürzt. Gottseidank nichts passiert.

Die letzten km kommen Wind und Regen dirket von vorne. Einfach schei......

Aber irgendwann ist es geschafft. Wir sind da. Nass, nasser, Radtour-pro-Organspende 2012 - aber die Laune lassen wir uns nicht verderben.

25.6.2012

Der Blick in den Himmel verheißt nichts Gutes: Grau, Grau, Grau. Schaun wir mal was der Tag bringt. VOn St. Magarethen geht direkt nach Brunsbüttel zum Krankenhaus.

 

 

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